Dienstag 10. April 2018
Von: Arnaud Rumpler

Sie bringen den Spaß auf die Bühne

Von Peer Meinert 03.04.2018 - 18:50 Uhr

Es ist nicht gerade eine Veranstaltung, zu der die Nagolder in Scharen strömen. "Musikprojekt 2018" heißt die Veranstaltung: Eine Woche lang haben ein junger Musikpädagoge und ein Jugenderzieher mit behinderten Kindern und Jugendlichen Musik gemacht. Jetzt gab es im Jugendhaus Youz ein kleines Abschlusskonzert.

 

Nagold. "Herzlich willkommen, ich hoffe, Sie haben alle Platz gefunden", begrüßt der Jugenderzieher Stephan Sawadsky das Publikum. Gut zwei Dutzend Kinder und Jugendliche stehen auf der kleinen Bühne, Altersdurchschnitt zwischen sieben und 14. Manche lachen ein bisschen verlegen. "Guten-Morgen-Song", heißt das erste Lied, das sie präsentieren. Sawadsky und der Musikpädagoge André Wehrstein müssen mit ihren Gitarren etwas nachhelfen, damit der Rhythmus gehalten wird. "Die meisten treten zum ersten Mal vor Publikum auf. Das ist schon etwas ganz Besonderes für sie, einige sind schon etwas aufgeregt."

Wehrstein ist 30 Jahre alt, zur Gitarre trägt er einen Hut, Sawadsky ist 35 Jahre alt, er trägt eine Kappe, man spürt, dass die beiden jungen Leute Freude an ihrer Arbeit haben.

Zum fünften Mal wird das Musikprojekt dieses Jahr veranstaltet. "Wir haben viel Spaß miteinander gehabt", stellt der Mann mit der Kappe die jungen Musiker vor. "Das bringen wir jetzt auf die Bühne."

"Denk, was du willst", heißt der zweite Song. Der Titel passt vielleicht ganz gut zur Veranstaltung. Befragt, was für Behinderungen die Jungen und Mädchen denn haben, meint Wehrstein ganz offen, das wisse er gar nicht so genau. "Darüber mache ich mir schon lange keinen Kopf mehr", so der junge Mann mit Hut. "Ich will einfach nicht voreingenommen sein."

Einige der Jungen und Mädchen seien wohl Autisten, andere haben das Down-Syndrom, doch der junge Mann mit Hut sagt das so, als wolle er klar machen: Das ist ganz egal, wir machen hier Musik, basta.

Die meisten im Publikum sind Eltern und Verwandte der jungen Leute auf der Bühne. "Papa, hast Du das mit dem Handy aufgenommen", ruft einer von der Bühne seinen Eltern zu. Es geht gleichsam familiär zu, schließlich handelt es sich um eine eher kleine Veranstaltung, die hier im Youz stattfindet. Nicht immer stimmt der Rhythmus bei den Songs auf der Bühne, nicht jede Note sitzt, niemand stört das hier.

Es gibt sogar ein Solo, ein hoch aufgeschossener Junge tritt ans Mikrofon, gespielt wird "Havana", dieser Ohrwurm, der derzeit ohne Ende durchs Netz und durchs Radio wabert. "Half of my heart is in Havana", heißt es da im Text, Latin Pop heißt die Genre, kein ganz einfaches Lied zum Singen, man spürt die Aufregung und die Verlegenheit des Sängers, Sawadsky muss mit der Gitarre nachhelfen.

Und zum Schluss: "Jetzt kann jeder machen, wozu ihm der Sinn steht", fordert Wehrstein die Jungen und Mädchen auf. Im Nu tanzen alle auf der Bühne, nicht immer ganz geschickt, nicht immer im Rhythmus, doch die Gesichter sind glücklich dabei, und das ist gut so. Der Beifall zum Schluss ist warm und herzlich. Natürlich gibt es noch eine Zugabe. "Im nächsten Jahr gibt es wieder ein Musikprojekt", sagt Sawadsky, und das ist gut so.